Vom Konflikt zur Rechtswissenschaft: Tom Naumann beginnt Jurastudium
Strategie, Kommunikation, Konflikte – und künftig noch stärker Recht. Tom Naumann wurde zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassen. Für den Gründer von KONFLIKTHELD ist das nicht nur eine persönliche Weiterentwicklung. Das Studium könnte langfristig auch die Arbeit rund um Konfliktbegleitung und Projekte des Vereins prägen. KH8 hat mit ihm über die Entscheidung, seine bisherigen Erfahrungen und seine Zukunftspläne gesprochen.
KH8: Tom, zunächst einmal ganz einfach: Warum Jura?
Tom Naumann:
Weil es sich inzwischen wie der logische nächste Schritt anfühlt.
Wenn ich auf meine berufliche Entwicklung zurückblicke, war Recht eigentlich sehr häufig Bestandteil meiner Arbeit – auch wenn meine Berufsbezeichnungen zunächst etwas anderes vermuten lassen.
Ich war viele Jahre im Bewachungsgewerbe tätig, später im sozialen Bereich und anschließend bei der Polizei Hamburg. In all diesen Bereichen spielen rechtliche Rahmenbedingungen, Befugnisse, Grenzen, Verantwortung und Konflikte eine wichtige Rolle.
Später kam die Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration hinzu. Das war fachlich zunächst eine andere Richtung, hat aber meinen Blick auf Strukturen und systematisches Arbeiten noch einmal erweitert.
Mit meiner heutigen Tätigkeit sind Kommunikation, Strategie und Konfliktbegleitung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. Und dabei begegnet mir das Recht inzwischen regelmäßig.
KH8: Das heißt, die Entscheidung ist nicht spontan entstanden?
Tom Naumann:
Nein, überhaupt nicht.
Es gab nicht diesen einen Moment, an dem ich morgens aufgewacht bin und gedacht habe: Jetzt studiere ich Jura.
Das hat sich entwickelt.
Gerade in den letzten Jahren habe ich immer häufiger Menschen oder auch Vereine in schwierigen Situationen begleitet. Dabei geht es beispielsweise darum, einen Konflikt zunächst zu verstehen, Unterlagen zu strukturieren, Kommunikation vorzubereiten oder gemeinsam zu überlegen, wie man eine Situation strategisch angehen kann.
Wenn dabei rechtliche Fragen entstehen, stößt man natürlich irgendwann an eine Grenze.
Ich kann und will keinen Rechtsanwalt ersetzen. Aber wenn man regelmäßig mit Rechtsanwälten, Behörden oder auch gerichtlichen Verfahren zu tun hat, wächst automatisch der Wunsch, die juristischen Strukturen dahinter besser zu verstehen.
KH8: Du sprichst von Rechtsbegleitung. Wo ziehst du dabei die Grenze zur Rechtsberatung?
Tom Naumann:
Sehr deutlich.
Es geht bei meiner bisherigen Arbeit nicht darum, mich als Rechtsanwalt darzustellen oder eine anwaltliche Tätigkeit zu ersetzen.
Ich sehe meine Rolle vielmehr dort, wo Menschen häufig schon vor oder neben einer juristischen Auseinandersetzung Unterstützung benötigen.
Ein Konflikt besteht schließlich nicht nur aus Paragraphen.
Es geht auch darum, Sachverhalte zu sortieren, Dokumente zusammenzustellen, zeitliche Abläufe zu rekonstruieren, Gespräche vorzubereiten oder überhaupt erst herauszuarbeiten, was jemand erreichen möchte.
Wenn eine konkrete juristische Prüfung oder Vertretung notwendig ist, gehört sie selbstverständlich zu entsprechend befugten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten.
Das Studium soll diese Grenze nicht verwischen.
Im Gegenteil: Ich möchte sie künftig noch besser verstehen.
KH8: Was bringt ein Jurastudium KONFLIKTHELD?
Tom Naumann:
Kurzfristig zunächst einmal gar keinen neuen Titel und auch keine neuen rechtlichen Befugnisse.
Das finde ich wichtig.
Nur weil jemand Jura studiert, wird er dadurch nicht zum Rechtsanwalt.
Langfristig kann das zusätzliche Wissen aber natürlich Einfluss auf unsere Arbeit haben.
KONFLIKTHELD beschäftigt sich mit Konflikten. Und sehr viele Konflikte haben irgendwann Berührungspunkte mit Verträgen, Behörden, Schulen, Vereinen, Unternehmen, Verwaltungsentscheidungen oder gerichtlichen Verfahren.
Wenn ich juristische Zusammenhänge besser verstehe, kann das dabei helfen, Situationen präziser einzuordnen und unsere Arbeit besser zu strukturieren.
Es geht also weniger darum, aus KONFLIKTHELD eine Rechtsberatung zu machen.
Das ist ausdrücklich nicht das Ziel.
Vielmehr geht es darum, unsere Kompetenz im Umgang mit komplexen Konfliktsituationen weiterzuentwickeln.
KH8: Braucht KONFLIKTHELD dafür wirklich einen Jurastudenten?
Tom Naumann:
Brauchen wahrscheinlich nicht.
Aber es kann helfen.
KONFLIKTHELD ist aus meiner Sicht gerade deshalb interessant, weil unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.
Kommunikation alleine löst nicht jeden Konflikt. Recht alleine ebenfalls nicht.
Manchmal liegt das eigentliche Problem in fehlender Kommunikation. Manchmal in unterschiedlichen Interessen. Manchmal in organisatorischen Strukturen. Und manchmal eben in rechtlichen Rahmenbedingungen.
Je mehr davon man versteht, desto besser kann man zunächst einmal erkennen, wo der eigentliche Konflikt liegt.
Genau das interessiert mich.
KH8: Du hast bereits einige berufliche Stationen hinter dir. Ist Jura jetzt ein kompletter Neuanfang?
Tom Naumann:
Für mich überhaupt nicht.
Ich sehe es eher als Erweiterung.
Aus dem Bewachungsgewerbe bringe ich Erfahrungen mit Konflikten und Verantwortungsfragen mit.
Aus dem sozialen Bereich nehme ich den Blick auf Menschen und unterschiedliche Lebenssituationen mit.
Bei der Polizei habe ich erlebt, welche Bedeutung rechtliche Rahmenbedingungen für staatliches Handeln haben.
Die Informationstechnik hat mich wiederum stark in systematischem und strukturiertem Denken geprägt.
Und meine heutige Arbeit beschäftigt sich viel mit Kommunikation, Strategie und Konflikten.
Das alles verschwindet nicht, nur weil jetzt ein Jurastudium hinzukommt.
Ich nehme diese Erfahrungen mit ins Studium.
KH8: Und warum nicht einfach weiterhin mit Anwälten zusammenarbeiten?
Tom Naumann:
Das werde ich weiterhin tun.
Das Studium ersetzt keinen Rechtsanwalt und auch keine Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten.
Aber ich möchte bei solchen Gesprächen besser verstehen, warum bestimmte Dinge juristisch so bewertet werden, wie argumentiert wird und welche systematischen Zusammenhänge dahinterstehen.
Es macht einen Unterschied, ob man einzelne Erfahrungen sammelt oder ob man das Recht von Grund auf lernt.
Genau diesen Schritt möchte ich jetzt gehen.
KH8: Ist das Ziel am Ende die Tätigkeit als Rechtsanwalt?
Tom Naumann:
Das ist inzwischen tatsächlich ein Gedanke, der mich reizt.
Ich würde es momentan aber bewusst als langfristigen Wunsch bezeichnen und nicht als fertigen Karriereplan.
Vor mir liegt erst einmal ein anspruchsvolles Studium. Danach wären weitere Schritte erforderlich, bevor überhaupt eine anwaltliche Tätigkeit möglich wäre.
Es wäre also ziemlich vermessen, heute schon so zu tun, als wäre das Ergebnis beschlossen.
Aber ja – wenn ich diesen Weg erfolgreich bewältige, könnte ich mir eine spätere Tätigkeit als Rechtsanwalt inzwischen sehr gut vorstellen.
Das ist durchaus zu einem kleinen persönlichen Traum geworden.
KH8: Was reizt dich daran?
Tom Naumann:
Wahrscheinlich genau die Verbindung aus Analyse, Strategie und Kommunikation.
Ein guter juristischer Umgang mit einem Konflikt besteht für mich nicht nur darin, Paragraphen zu kennen.
Man muss einen Sachverhalt verstehen, Informationen bewerten, Positionen herausarbeiten, argumentieren und häufig auch erklären können.
Viele dieser Dinge gehören heute schon zu meiner Arbeit.
Das juristische Wissen würde dem eine völlig neue fachliche Grundlage geben.
KH8: Du bist selbstständig, unterrichtest und hast verschiedene Projekte. Warum jetzt noch ein Studium?
Tom Naumann:
Die Frage stelle ich mir vermutlich während der ersten Prüfungsphase noch einmal. lacht
Aber im Ernst: Der Zeitpunkt ist vielleicht gerade deshalb richtig.
Ich weiß inzwischen ziemlich genau, welche Themen mich interessieren und warum ich studieren möchte.
Es geht mir nicht darum, einfach irgendeinen weiteren Abschluss zu sammeln.
Ich habe eine konkrete Verbindung zu meiner bisherigen Arbeit und eine Vorstellung davon, wo mir dieses Wissen künftig helfen kann.
Das verändert die Motivation erheblich.
KH8: Was verändert sich jetzt konkret?
Tom Naumann:
Zunächst einmal beginnt ganz klassisch das Studium.
Ich werde lernen müssen, wie juristische Fallbearbeitung funktioniert, wie Gesetze systematisch aufgebaut sind und wie juristische Argumentation tatsächlich funktioniert.
Für meine bisherigen Tätigkeiten bedeutet die Zulassung zunächst keine grundsätzliche Veränderung.
Ich werde weiterhin in den Bereichen arbeiten, in denen ich bisher tätig bin.
Aber vermutlich wird sich mein Blick auf viele Dinge verändern.
Und genau darauf freue ich mich.
KH8: Wenn wir in einigen Jahren noch einmal über dieses Interview sprechen – was wäre für dich ein gutes Ergebnis?
Tom Naumann:
Natürlich wäre es schön, wenn ich dann sagen könnte, dass ich den gesamten Weg erfolgreich gegangen bin.
Aber ich glaube, Erfolg beginnt schon früher.
Wenn ich durch das Studium besser darin werde, komplizierte Situationen zu verstehen, sauberer zu argumentieren und Zusammenhänge zu erkennen, hat sich der Schritt bereits gelohnt.
Und wenn daraus irgendwann zusätzlich eine neue berufliche Perspektive entsteht, umso besser.
Im Moment ist erst einmal entscheidend:
Ich wurde zugelassen.
Jetzt beginnt der nächste Abschnitt.
KH8 wird diesen Weg begleiten. Denn die Entscheidung betrifft nicht nur die persönliche Entwicklung von Tom Naumann. Sie berührt auch eine zentrale Frage der Arbeit von KONFLIKTHELD: Wie lassen sich Kommunikation, Strategie, Konfliktverständnis und rechtliche Strukturen sinnvoll miteinander verbinden?
Die Antwort darauf wird nicht mit der Zulassung zum Studium entstehen.
Aber vielleicht beginnt sie genau dort.